Am Ende der Fahnenstange?

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Am Ende der Fahnenstange?

November 8, 2019, In Aktuelles, Fairmas in der Presse

Für die Hotel Fachzeitschrift Cost & Logis hat Fairmas exklusiv die Hotelperformance im ersten Dreivierteljahr 2019 analysiert.

Lesen Sie hier einen Auszug der Zwischenbilanz für die Hotelbranche in den A- und B-Destinationen. *

 

Zu Jahresbeginn prognostizierte die Bundesregierung unter Federführung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie das zehnte Mal in Folge Wachstum für die deutsche Wirtschaft in 2019, und auch die Hotelbranche war angesichts der deutlichen Wachstumsraten im Januar voller Optimismus.

 

Zur Erinnerung:

 

Der Januar 2019 schloss mit + 5,7 % Wachstum beim durchschnittlichen Zimmererlös pro vermietetem Zimmer (RevPar) im Vergleich zum Januar 2018. Jetzt im September wurde die Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland nach unten korrigiert, weil sich die Weltkonjunktur durch Handelskonflikte und Klimadiskussion merklich abgekühlt hat und sich die Risiken verfestigt haben.

 

Da liegt die Frage nahe, ob auch die Hotelbranche mit einem Wachstumsrückgang rechnen muss oder ob sie, wie beispielsweise auch der Einzelhandel, weiterhin mit Plus oberhalb der Inflationsrate rechnen kann?

 

Tatsächlich zeigt die Zwischenbilanz nach dem Ende des dritten Quartals kumuliert ein Wachstum nahe Null, d.h. die erreichten positiven Wachstumsraten des ersten Halbjahres (Belegung + 0,3 %, ADR + 2,4 %, RevPar + 2,7 % für Deutschland ges. 1.HJ 2019 vs 2018) sind deutschlandweit nahezu komplett abgeschmolzen.

 

 

Das klingt zunächst wenig optimistisch. Jedoch sollten für eine Bewertung einige marktbeeinflussende Umfeldfaktoren mit einbezogen werden.

 

Ganz allgemein ist die inländische Konsumfreude ungebrochen hoch und, wegen des anhaltend niedrigen Sparzins wird auch weiterhin mit einer geringen Sparquote gerechnet. Auch ist die Belegungsquote vor dem Hintergrund deutlicher Angebotszuwächse in der Hotellerie zu bewerten. Die Deka nennt in ihrem Augustbericht 8.4oo zusätzlichen Zimmer alleine in den 6 Top Destinationen in 2019[2]. Hinzu kommen der schnell wachsende Bereich der Serviced-Apartments und auch Airbnb und Co. melden weiterhin wachsenden Umsatz. So gesehen ist eine Null vor dem Komma bei der Belegungsrate durchaus positiv – immerhin ist auch das Angebot deutlich gewachsen. Leider ging dies wohl auch zu Lasten des Preises. Null Wachstum bei ADR bedeutet schließlich auch, dass die Inflationsrate nicht ausgeglichen wurde.

 

A-Destinationen

Laut dem Statistischen Bundesamt[1] stieg von 2008 bis 2018 die Zahl der Übernachtungen in den Stadtstaaten, allen voran Hamburg (+88 %) und Berlin (+85 %), am stärksten, wobei die deutschen Großstädte insgesamt stärker wuchsen als der Rest. Das brachte die internationalen und nationalen Hotelkonzerne auf den Plan.

 

Die Folge, ein Kapazitätenausbau, der in einigen A-Destinationen oberhalb des Nachfragewachstums lag/liegt und eine uneinheitliche Zwischenbilanz. Stuttgart, Hamburg und Frankfurt mussten im Schnitt ihre Preise reduzieren, welches auch den durchschnittlichen Erlös pro vermieteten Zimmer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum reduzierte.

 

Besonders deutlich sind die Rückgänge in Frankfurt. Nach Sommermonaten mit saisonal bedingter schwacher Businessnachfrage enttäuschte hier zusätzlich die sehr schwache IAA.

 

Städte wie Berlin und München zeigten sich hingegen auch im 3. Quartal dank des anhaltenden Städtetourismus aus dem In- und Ausland wesentlich robuster. Die Pool-Position für den Endspurt 2019 nimmt Köln ein. In Köln lag nur der April hinter den Vorjahreswerten. Die Aussicht auf ein Plus zum Jahresende ist in der Domstadt somit durchaus berechtigt.

 

Im Ranking der A-Destinationen bei den absoluten Werten ist relativ wenig Bewegung erkennbar. In der Zwischenbilanz 2019 führt Berlin bei der Belegung, gefolgt von Hamburg. München steht wie gewohnt an erster Stelle in Bezug auf Zimmerrate und RevPar (128,00 € und 95,20 €), gefolgt von Hamburg mit einer durchschnittlichen ADR von 116,6 € und einem RevPar in Höhe von 89,90 €.

 

B-Destinationen

Die viel zitierte Produktknappheit und der Mangel an Flächen in den Top-Standorten lässt Hotelinvestoren und Hotelprojektentwickler nach Alternativen suchen. Neben der Nachverdichtung bestehender Objekte ist dies das Ausweichen auf Sekundärdestinationen.

So ist auch die Zwischenbilanz der B-Destinationen uneinheitlich und steht im engen Zusammenhang dem jeweiligen Ausbau des Hotelangebots vor Ort.

 

Dabei überrascht das Ergebnis von Mannheim wenig. Nach einer regelrechten Welle von Neueröffnungen warnte die Rhein-Neckar Zeitung bereits Anfang November 2018 vor dem Risiko einer Übersättigung. Ende letzten Jahres standen noch 9 weitere Hoteleröffnungen im Kalender. In der Rückschau bilanzierte in Mannheim nur der Mai und der Juli mit Wachstum.

 

Ganz ähnlich das Bild in Leipzig. Auch in Leipzig wurden viele Hotels eröffnet, weitere sind für 2020 in der Pipeline. So sind auch in Leipzig gute Ratenbringer keine Selbstläufer mehr. Erwähnenswert der Eventzeitraum der Uhren- und Schmuckmesse MIDORA und Cadeaux (Occ. -14,3%, ADR + 1,0 %, RevPar – 9,9 %). Aber auch das Bachfest enttäuschte (Occ. – 7,0 %, ADR -6,8 %, RevPar -10,9 %). Zur Leipziger Buchmesse konnten zumindest die Preise im Vergleich zum Vorjahr leicht angehoben werden (Occ. -4,0%, ADR + 1,2 %, RevPar -4,5 %).

 

Auf der anderen – positiven – Seite der Skala stehen Münster, Bielefeld und Dortmund. [……]

 

Den vollständigen Artikel mit allen Grafiken finden Sie in der November Ausgabe der Cost & Logis – 23. Jahrgang.

 

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Zwischenbilanz nach Ablauf von 9 Monaten ein heterogenes Bild zeichnet. Für manche Destinationen heißt es aufholen, andere gehen in den Endspurt. Die Tendenz scheint nach wie vor für die Branche im Grundsatz eher positiv. Doch das Geschäft vor Ort wandelt sich angesichts des anhaltend stärker werdenden Konkurrenzdrucks und unterstreicht die Notwendigkeit einer effizienten und dynamischen Umsatz- und Kostenplanung in den Hotels.

 

 

 

[1] Quelle: Destatis https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/10/PD19_N03_45212.html

[2] Quelle: Deka Immobilienresearch Spezial: Hotelmarkt Deutschland 14. August 2019, https://www.deka.de/site/dekade_deka-gruppe_site/get/documents/dekade/Publikationen/2019/Immobilien/Research%20Spezial/20190814_IS_Hotelmarkt_Deutschland.pdf